Die Schulsporthalle summte vor Stimmen und Flüstern. Eine Menge Schüler stand im Kreis, jeder mit dem Handy in der Hand, bereit, das nächste „Spektakel“ aufzunehmen.
In der Mitte stand Anna — ein kleines, zartes Mädchen, das kaum jemand je bemerkt hatte. Still, unscheinbar.
Doch heute stand sie dem stärksten und frechsten Schüler der ganzen Schule gegenüber — dem Jungen, vor dem sich alle fürchteten. Mannschaftskapitän, Schläger, Liebling der Menge. Sein Lächeln war verächtlich:

— Knie dich hin und entschuldige dich. Sofort.
Die Menge erstarrte. Annas Hände zitterten in ihrem Hoodie.
— Ich habe nichts falsch gemacht… — sagte sie leise.
— Ach nein? — fauchte er. — Und wer hat mich beim Direktor verpetzt?
— Du hast den Jungen verprügelt… Sein Arm war gebrochen, — flüsterte Anna.
— Das geht dich nichts an.

Kichern in der Menge. Alle warteten auf das Schauspiel.
Er trat näher:
— Auf die Knie.
Anna senkte den Kopf…
Doch plötzlich richtete sie sich auf. Ihr Blick hob sich — eisig, durchdringend. Der Junge wich instinktiv zurück.
— Willst du wirklich, dass ich mich hinknie? — fragte Anna ruhig.
Stille. Dann zog sie ein kleines Metallabzeichen aus der Tasche.
Die Menge schnappte nach Luft — das Abzeichen der Jugendbehörde.

— Angenehm, — sagte Anna kühl. — Ich bin Praktikantin im Dezernat für Jugenddelikte. Ich bin nicht hier, um zu lernen. Ich bin hier wegen dir.
Gemurmel, zitternde Handys.
Der Junge erblasste — sie wusste alles.
Anna machte einen Schritt:
— Jetzt wirst du dich hinknien.







