Jeden Morgen kam er zu demselben Haus – alt, abgeblättert, mit Fenstern, hinter denen sich fast nichts bewegte. Auf seiner Lieferliste stand diese Wohnung immer an letzter Stelle. Immer dieselbe Frau bestellte nur wenig – Brot, Milch, ein paar Äpfel, manchmal Tee. Und sie empfing ihn immer mit einem Lächeln.
„Danke, mein Junge, dass du mich nicht vergessen hast“, sagte sie und reichte ihm sorgfältig gefaltete Geldscheine.
Er lächelte zurück:
„Aber nein, das ist doch meine Aufgabe.“
Aber jedes Mal bemerkte er, dass ihr das Gespräch wichtiger zu sein schien als die Lieferung selbst.
Sie hielt die Tüte lange in den Händen, fragte, wie es ihm gehe, ob er eine Familie habe, ob er auf dem Weg nicht gefroren habe.
Und jedes Mal wünschte sie:
„Pass auf dich auf, sonst kommt morgen niemand mehr zu mir.“
Er schrieb das ihrer Einsamkeit und ihrem Alter zu. Aber irgendwann wurde ihm klar, dass er begann, auf ihre Bestellungen zu warten. Einmal regnete es stark, und er hätte die Lieferung beinahe abgesagt – er war müde, durchnässt, und die Bestellung war winzig.
Aber er ging trotzdem. Als sie die Tür öffnete, leuchteten ihre Augen, als wäre jemand aus der Familie gekommen.
„Ich dachte, Sie kommen nicht“, sagte sie. „Und ich habe Tee gekocht … Sie mögen ihn doch mit Zitrone, oder?“
Er war verwirrt. Woher wusste sie das? Wahrscheinlich hatte sie es einfach erraten.

Er trat ein. Das Zimmer war ordentlich, aber leer – an der Wand hingen alte Fotos, auf dem Tisch standen zwei Tassen, die zweite hatte einen kleinen Riss am Rand.
„Das ist die Tasse meines Mannes“, sagte sie, als sie seinen Blick bemerkte. „Er war auch Kurier. Aber er kommt schon lange nicht mehr.“
Er hörte zu, ohne zu wissen, was er sagen sollte. Sie erzählte vom Krieg, von den Kindern, die weggezogen waren, von den Enkelkindern, die „immer beschäftigt“ waren. Und dann fügte sie hinzu:
„Wissen Sie … ich warte nicht auf Sie, weil ich Lebensmittel brauche. Ich warte einfach darauf, dass jemand kommt.“
Danach kam er nicht mehr nur mit Bestellungen vorbei. Manchmal kam er einfach für eine Minute herein – um Kuchen und Tee zu bringen, um zu reden. Und einmal, am Vorabend des Neujahrs, kam er ohne Uniform und ohne Tasche. In seinen Händen hielt er einen kleinen Blumenstrauß.
Die alte Frau brach in Tränen aus.
„Wie viele Jahre habe ich auf keinen Besuch gewartet …“
Heute arbeitet er immer noch als Kurier, aber auf seiner Adressliste gibt es immer eine Adresse, die er selbst hinzufügt – das Haus, in dem die Frau lebt, die einst einfach nur auf einen Menschen gewartet hat und nicht auf eine Lieferung.
Und jedes Mal, wenn sie die Tür öffnet, sagt er dasselbe:
„Eine Lieferung Wärme. Kostenlos.“







