Im Inneren befand sich ein vom Alter vergilbtes Foto – darauf war meine Großmutter als junge Frau zu sehen, neben einem Mann, den ich noch nie zuvor gesehen hatte. Unter dem Foto stand: „Vergib mir, Viktor.“
Wer war das? Und warum hatte meine Mutter das im Sarg versteckt?
In diesem Moment ertönte eine leise Stimme hinter mir:
— Das hättest du nicht sehen dürfen.
Ich erschrak und drehte mich um. Meine Mutter stand im Türrahmen, mit traurigem Blick.
— Wer ist das, Mama? — fragte ich, während mir die Angst den Hals zuschnürte.
Sie trat näher.
— Das ist dein Großvater, — sagte sie sanft.
Ich starrte erstaunt auf das Foto.
— Was? Großmutter hat immer gesagt, Großvater sei gestorben, als du klein warst…
Meine Mutter presste die Lippen zusammen und wandte den Blick ab.
— Das war nicht der Mann, den du als Großvater kennst, — ihre Stimme zitterte. — Viktor war die erste Liebe deiner Großmutter. Sie wollten zusammen sein, aber er wurde zu Unrecht eingesperrt. Als er freikam, war sie bereits mit deinem «Großvater» verheiratet. Aber sie hat sein Foto ihr ganzes Leben lang aufbewahrt und ihm Briefe geschrieben…
Meine Welt geriet ins Wanken.
— Hat er sie wiedergefunden?
Meine Mutter nickte traurig.
— Ja. Sie haben sich ein Jahr vor ihrem Tod wiedergesehen. Großmutter bat ihn um Verzeihung, weil sie nicht auf ihn gewartet hatte. Er sagte, er habe es ihr nie übel genommen.
Ich schwieg, sprachlos.
— Sie wollte, dass er ihr wenigstens so nahe ist, — sagte meine Mutter und deutete auf das Foto. — Das war ihr letzter Wunsch.
Ich legte das Foto zurück, wickelte es vorsichtig wieder in das Taschentuch und legte es an seinen Platz.










