Der Arzt schaute dem Patienten in den Mund und sprang mit einem Schrei des Entsetzens zurück – so etwas hatte er in 20 Jahren Praxis noch nie gesehen

LEBENSGESCHICHTEN

Der späte Abend in der Privatklinik zog sich endlos hin. Der Regen prasselte gegen die Fensterscheiben, und Dr. Edgarson wollte gerade seine Praxis schließen, als sich die Tür öffnete. Auf der Schwelle stand ein Mann in einem dunklen Regenmantel, durchnässt, mit grauem Gesicht und Augen, in denen etwas Beunruhigendes gefroren war.

„Entschuldigen Sie …“, krächzte er und setzte sich auf einen Stuhl. „Es tut weh, wenn ich schlucke … und es scheint, als würde sich dort etwas bewegen.“

Der Arzt schaltete mechanisch die Tischlampe ein.
„Bewegt sich?“, fragte er mit einem leichten Lächeln und versuchte, seine Müdigkeit zu verbergen. „Vielleicht ist es nur eine Entzündung. Öffnen Sie den Mund, ich schaue mal nach.“

Der Patient neigte gehorsam den Kopf. Das Licht der Taschenlampe glitt über die Innenseite seines Mundes. In diesem Moment bemerkte der Arzt einen seltsamen Schatten – als würde sich irgendwo zwischen den Mandeln ein dünner Streifen bewegen. Er runzelte die Stirn, näherte sich und blinzelte.

Und plötzlich … bewegte es sich wieder.
Aus einer Falte der Schleimhaut glitt direkt vor seinen Augen ein dünner grauer Faden, der wie eine lebende Ader aussah, und verschwand in der Tiefe des Rachens. Edgarson wich instinktiv zurück und ließ das Instrument fallen. Sein Herz pochte irgendwo in seiner Kehle.

„Spüren Sie das?“, fragte er, aber der Patient antwortete nicht.
Er stöhnte nur leise und griff sich an den Hals. Die Haut an seinem Hals zuckte, als würde sich darunter etwas bewegen. Der Arzt eilte entsetzt zum Schrank, griff nach dem Endoskop und richtete die Kamera auf den Mund des Patienten. Aus dem Lautsprecher ertönte ein seltsames, feuchtes Knistern. Das Bild erschien auf dem Bildschirm – trüb, rot, pulsierend.

Und plötzlich flitzte etwas Lebendiges durch das Bild – dünne, durchsichtige Tentakel, die sich wie in Reaktion auf das Licht windeten. Sie bewegten sich schnell, als hätten sie bemerkt, dass sie entdeckt worden waren. Edgarson schrie auf, riss das Gerät heraus und wich an die Wand zurück. Der Patient atmete krampfhaft, beruhigte sich dann aber plötzlich. Ein seltsames, schwaches Lächeln erschien auf seinen Lippen.

„Es will nicht, dass Sie zusehen, Doktor“, sagte er mit heiserer Stimme. „Es ist schon hier.“

Das Licht im Büro flackerte. Der Arzt machte einen Schritt zurück und spürte, wie ihm kalt wurde. Als er wieder aufblickte, sah der Patient ihn bereits direkt an – mit offenem Mund, aus dem langsam genau dieser graue Faden kroch und sich wie ein Lebewesen wand.

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