Als ich erfuhr, dass wir einen Sohn bekommen würden, war mein erster Gedanke, dass das ein riesiges Glück ist. Aber fast sofort dachte ich an unsere Tochter, die gerade erst eineinhalb Jahre alt war.
Ich wusste sehr gut: Ältere Kinder sind oft eifersüchtig auf jüngere, und manchmal hinterlässt das Spuren in ihrer kleinen, verletzlichen Psyche. Ich hatte Angst. Ich fürchtete, dass sie sich überflüssig, vergessen, ersetzt fühlen würde.
Deshalb sprach ich jeden Tag mit ihr – ich strich ihr übers Haar und erzählte, dass im Bauch der Mama ein Brüderchen wächst, das sie liebhaben und beschützen soll. Es schien, als würde sie es verstehen. Oder so tun, als würde sie verstehen.
Wer weiß schon, was im Kopf eines eineinhalbjährigen Kindes vor sich geht. Aber nach der Geburt geschah etwas so Unerwartetes, dass ich diesen Moment niemals vergessen werde.
Ich lag im Krankenhauszimmer mit dem Baby im Arm, als mein Mann mit unserer Tochter hereinkam, damit sie ihren Bruder kennenlernt. Meine Kleine blieb am Bett stehen und schaute lange, sehr lange auf das Bündel in der blauen Decke.
Entweder dachte sie über etwas nach, suchte nach Worten oder versuchte einfach zu verstehen, warum dieses kleine, runzlige Wesen jetzt den Platz in Mamas Armen eingenommen hatte.
Mal sah sie mich an, dann betrachtete sie wieder ihren Bruder, rümpfte die Nase, blähte die Bäckchen, zog die Augenbrauen zusammen… und plötzlich sagte sie etwas, wovon mein Mann und ich völlig schockiert waren.
Mamas, wie war das bei euren Kindern?
— Mama… warum hast du das gemacht? Ich dachte, du bringst mir einen großen Bruder zur Welt. Aber er ist klein! Meine Puppen sind größer als er. Gib ihn zurück. Ich will einen großen. So wie Papa.
Mein Mann wurde kreidebleich, dann hochrot, dann drehte er sich weg und fing an zu husten, um sein Lachen zu verbergen. Ich biss mir auf die Lippen, um nicht laut loszuprusten. Die Krankenschwester ging überhaupt in die Ecke und drückte das Gesicht zur Wand – sonst wäre sie einfach vor Lachen auf den Boden gefallen.
Aber ein paar Minuten später kam unsere Tochter, immer noch so, als wäre sie eine sehr ernsthafte, erwachsene Frau, leise näher. Vorsichtig berührte sie den Babydeckel mit einem Fingerchen, sah ihren Bruder an und sagte fast flüsternd:
— Na ja… gut. Er darf ein bisschen bei uns wohnen. Und dann bringst du mir einen großen. Einen guten. Und den hier mache ich kaputt.
Und schon eine Stunde später ließ sie niemanden mehr an ihn heran – nicht einmal meinen Mann. Denn, wie sie sagte:
— Das ist mein Kleiner. Ich ziehe ihn selbst groß. Damit er groß wird.










