Fast jeden Tag, pünktlich um zwölf, tauchte dasselbe Mädchen auf der Schwelle meines Hauses auf. Hübsch, ordentlich gekleidet, mit pausbäckigen Wangen und einem kleinen Plüschbären in den Händen.
Sie stand an der Tür, schaute direkt in die Kamera der Türsprechanlage — und schien auf etwas zu warten.

Ich war zu dieser Zeit oft bei der Arbeit und konnte deshalb nicht öffnen, um herauszufinden, wer sie war und warum sie kam. Immer wieder dasselbe: Das Mädchen klingelte, wartete eine Minute oder zwei und lief dann um die Ecke.
Kein Auto, kein Erwachsener in der Nähe. Ehrlich gesagt wurde mir das jeden Tag unheimlicher. Wo waren ihre Eltern? Warum war ein so kleines Kind allein unterwegs?
Ich bekam Angst, dass ihr etwas Schlimmes zugestoßen sein könnte.
Eines Abends hielt ich es nicht mehr aus und fuhr mit den Aufnahmen zur Polizei. Die Beamten ermittelten schnell die Adresse der Familie und ließen die Mutter auf die Wache kommen.

Als die Frau hereinkam und hörte, wobei man sie beschuldigte, fing sie plötzlich laut an zu lachen.
— Entschuldigen Sie, — sagte sie und wischte sich die Tränen weg, — meine Tochter ist einfach in dem Alter, in dem sie alles wissen will. Wir wohnen ganz in der Nähe und spazieren oft diese Straße entlang. Jedes Mal, wenn wir an Ihrem Haus vorbeigehen, sagt sie: „Ich möchte diese Tante grüßen!“ Sie läuft zu Ihnen, klingelt und geht dann zurück. Ich warte die ganze Zeit am Gartentor.
Ich war verblüfft.
— Aber warum gerade mein Haus? — fragte ich.
Die Frau lächelte wieder:
— Sie erinnern sich sicher nicht daran, aber eines Sommers haben Sie meiner Tochter einen Apfel geschenkt, als sie hingefallen ist. Seitdem meint sie, sie müsse kommen, Sie zu grüßen und Ihnen einen schönen Tag wünschen.

Der Sergeant und ich sahen uns an und mussten lachen. Es stellte sich heraus, dass die „geheimnisvolle Besucherin“ nur ein liebes kleines Mädchen war, das jeden Tag kam, um derjenigen „Hallo“ zu sagen, die ihr einst eine kleine Freundlichkeit erwiesen hatte.







