— Machen wir es doch einfacher: Du fliegst aus meiner Wohnung raus, — riet Inna ihrem Mann.

LEBENSGESCHICHTEN

**Teil 1. Bleierne Spitze**

In der Werkstatt roch es nach Kolophonium, erhitztem Wachs und altem Staub, der sich an solchen Orten über Jahrhunderte ansammelt.

Inna rückte ihre Schutzbrille zurecht und fuhr mit einer sicheren Bewegung mit dem Glasschneider über eine Scheibe dunkelblauen, kobaltblauen Glases.

Das Geräusch war klar und knackend, als hätte jemand eine Eiskruste angebissen.

Sie arbeitete als Restauratorin von Glasfenstern — ein seltener Beruf, der unweibliche Kraft und chirurgische Präzision erforderte.

Hier war kein Platz für Schwäche: Blei musste gelötet, Glas geschnitten und schwere Rahmen mussten bewegt werden.

Die Tür öffnete sich ohne Klopfen und ließ einen Luftzug sowie zwei Männer herein.

Inna drehte sich nicht einmal um und legte weiter die Mosaikfragmente auf den Leuchttisch.

— Was für ein Loch, — erklang die verächtliche Stimme ihres Schwagers.

Stas, der jüngere Bruder ihres Mannes, hatte schon immer die erstaunliche Fähigkeit besessen, allein durch seine Anwesenheit die Luft zu verderben.

— Grisch, bist du sicher, dass deine holde Ehefrau hier Geld verdient und nicht nur mit Spielereien beschäftigt ist?

Grigorij, Innas Mann, kam hinter ihm herein und verzog das Gesicht wegen des Geruchs der Lötflüssigkeit.

Er war geschniegelt und geschniegelt gekleidet: ein beiger Trenchcoat, ein achtlos über die Schulter geworfener Schal, geschniegelt glänzende Loafer.

Sein Beruf — „Coach für persönliches Wachstum“ und Berater für Biorhythmen — verpflichtete ihn dazu, erfolgreich auszusehen, selbst wenn in seiner Tasche nur der Wind spazieren ging.

— Innusik, — zog er das Wort in die Länge, während er an den Tisch trat und mit Ekel ein Stück Bleiprofil mit dem Finger berührte.

— Wir sind wegen einer Angelegenheit hier.

Einer ernsten.

Inna legte das Werkzeug beiseite und nahm die Brille ab.

An ihren Händen waren dichte Arbeitshandschuhe, verschmiert mit Flussmittel.

— Ich arbeite, Grischa.

Ich habe einen Auftrag für die Kathedrale, die Fristen brennen.

Was ist passiert?

Ist wieder ein Chakra blockiert?

— Du machst dich umsonst lustig, — brummte Stas finster, setzte sich auf einen hohen Hocker und sprang sofort wieder hoch, als er darauf eine Schicht Glassplitter entdeckte.

— Wir reden über die Bude.

— Die Wohnung, — korrigierte Inna ruhig.

— Meine Wohnung.

— Unsere, Liebling, die unserer Familie, — sagte Grigorij sanft, wie eine Schlange in Sirup.

— Verstehst du, Vater hatte eine geniale Idee.

Wir erweitern das Geschäft.

Der Familienclan muss zusammenhalten.

Stas hat Räume für mein Trainingszentrum gefunden, aber wir brauchen Startkapital.

Inna seufzte müde.

Es begann bereits zum dritten Mal in diesem Monat.

— Und wo gedenkt ihr, das Kapital herzunehmen?

— Wir verkaufen deine Dreizimmerwohnung im Zentrum, — platzte es aus Stas heraus, der nicht um den heißen Brei reden konnte.

— Dann nehmen wir zwei Einzimmerwohnungen im Neubau.

In einer wohnen wir mit Grinja im Schichtsystem, die andere vermieten wir.

Und du wohnst erst mal bei deiner Mutter.

Die Differenz stecken wir ins Geschäft.

In einem Jahr zahlen wir es mit Zinsen zurück.

Inna sah ihren Mann an.

— Nein.

— Was heißt hier „nein“? — Grigorij hörte auf zu lächeln.

— Inna, du verstehst das nicht.

Das ist eine Investition.

Vater hat schon alles berechnet.

Du hängst sowieso den ganzen Tag hier herum, mit deinen Glasstückchen.

Wozu brauchst du hundert Quadratmeter?

Um Staub zu sammeln?

— Dazu, dass es mein Zuhause ist.

Und es wird nicht verkauft.

Und jetzt geht, ich muss löten.

Das Blei kühlt ab.

Sie setzte die Brille wieder auf und schaltete den Lötkolben ein.

— Das war ein Fehler, — zischte Stas und trat mit dem Stuhlbein gegen die Werkbank.

— Vater mag solche Allüren nicht.

Wir wollten es auf die gute Art.

— Macht die Tür hinter euch zu.

Es zieht, — warf Inna hin, ohne den Kopf zu heben.

Als sie gegangen waren, bemerkte sie, dass ihre Hände leicht zitterten.

Aber nicht vor Angst.

Irgendwo in ihrem Solarplexus begann ein dunkler, dichter Kloß aus Wut zu kochen.

**Teil 2. Abendessen mit Zielvorrichtung**

Das Restaurant „Goldene Gans“ war berühmt für seine mikroskopischen Portionen und astronomischen Preise.

Inna hasste solche Orte, aber ihr Schwiegervater, Oleg Petrowitsch, hatte auf einem „Familienessen“ bestanden.

Sie kam direkt nach der Arbeit und hatte es nur geschafft, ihren Arbeitsanzug gegen Jeans und einen Pullover zu tauschen.

Vor dem Hintergrund der geschniegelt geschniegelt Verwandtschaft ihres Mannes sah sie aus wie ein schwarzes Schaf.

Oder eher wie ein Habicht unter Pfauen.

Oleg Petrowitsch, ein schwerer Mann mit einem Gesicht, das an Hefeteig erinnerte, saß am Kopf des Tisches.

Neben ihm Grigorij und Stas.

Sie aßen bereits irgendetwas und tauschten fröhliche Blicke.

— Da ist sie ja, die Arbeiterin, — verkündete der Schwiegervater lautstark, ohne sich mit einer Begrüßung zu bemühen.

— Setz dich.

Wir haben dir einen Salat mit Quinoa bestellt.

Du achtest doch auf deine Figur, oder?

Oder verdienst du einfach nicht genug für Fleisch?

Grigorij kicherte und versteckte seine Augen im Weinglas.

— Worüber wollten Sie sprechen, Oleg Petrowitsch? — Inna setzte sich und ignorierte die Speisekarte.

— Über die Zukunft, Kindchen.

Über die Zukunft der Familie, — der Schwiegervater schnitt ein Stück Steak ab, Saft spritzte auf den Teller.

— Meine Söhne sind Adler.

Sie brauchen Weite.

Grischa ist ein Talent, Stas ein zupackender Kerl.

Und wer bist du?

Ein Schmarotzer mit einer Wohnung, die du von deiner Großmutter geerbt hast.

Das ist ungerecht.

Ressourcen müssen für die Starken arbeiten.

— Ich bin kein Schmarotzer.

Ich bin die Frau Ihres Sohnes.

Noch jedenfalls.

Und die Wohnung ist mein Eigentum.

— Eigentum… — zog Oleg Petrowitsch das Wort in die Länge und wischte sich die Lippen mit einer Serviette ab.

— Alles nur Papierchen.

Die Familie — das ist das Gesetz.

Wir haben entschieden, Innochka.

Du überschreibst die Wohnung auf Grischa.

Mit einer Schenkungsurkunde.

So wird es gerecht sein.

Der Mann muss der Herr im Haus sein.

Es reicht, dass ihr Frauen euch daran gewöhnt habt, Männer herumzukommandieren.

— Und wenn ich ablehne?

Der Schwiegervater beugte sich vor, sein Gesicht lief rot an.

— Das wirst du nicht.

Du bist eine kluge Frau.

Du verstehst, dass du allein nichts schaffen wirst.

Und Grischa… er kann auch seinen Charakter zeigen.

Sich zum Beispiel scheiden lassen.

Dann bleibst du allein, mit Katzen.

Wen brauchst du schon mit deinen Gläsern?

Schau dir deine Hände an, voller Narben wie bei einem Hafenarbeiter.

Inna sah auf ihre Hände.

Auf dem rechten Handrücken leuchtete eine frische Verbrennung weiß, an den Fingern waren Schwielen von der Zange.

Das waren starke Hände.

Hände einer Meisterin.

— Grischa, — sie wandte sich an ihren Mann.

— Denkst du das auch?

Dass ich dir alles geben muss, nur weil du ein Y-Chromosom hast?

Grigorij betrachtete seine Maniküre.

— Baby, Vater hat schon recht.

Das ist Geschäft.

Nichts Persönliches.

Du unterschreibst einfach die Papiere, wir ziehen die Sache durch, und dann leben wir gut.

Ich kaufe dir einen Pelzmantel.

Später.

Sie stand auf.

— Kauf dir selbst einen Pelzmantel.

Und einen Maulkorb, damit du nicht zu viel redest.

Guten Appetit.

Sie drehte sich um und ging zum Ausgang.

Hinter ihr hallten das Gejohle von Stas und das schwere Lachen des Schwiegervaters.

Sie waren sicher, dass sie sie in die Ecke gedrängt hatten.

Sie wussten nicht, dass Glas, bevor es bricht, die Spannung lange hält.

**Teil 3. Verschwörung im Gewächshaus**

Das Wochenende wollte Inna in Ruhe verbringen, aber der Anruf ihrer Mutter änderte alles.

— Tochter, wir haben hier Gäste…

Ungeladene.

Inna raste mit dem Taxi zum Haus ihrer Eltern.

Im Wohnzimmer, zwischen Ficus-Pflanzen und gehäkelten Deckchen, saß eine unerwartete Koalition.

Ihre Mutter, Anna Sergejewna, schenkte Tee ein, und ihr gegenüber saß… ihre Schwiegermutter.

Tatjana Iwanowna, die Exfrau von Oleg Petrowitsch, die er vor zehn Jahren mittellos sitzen gelassen hatte.

Daneben, an den Türrahmen gelehnt, stand Mischka — ein monumentaler Mann, Innas Freund und Kollege aus der Werkstatt, ein Kunstschmied.

— Inna, hallo, — Tatjana Iwanowna sah beunruhigt aus.

— Ich habe erfahren, was Oleg und die Jungs planen.

— Woher?

— Stas hat sich betrunken bei meiner Nichte verplappert.

Sie wollen dich nicht nur aus der Wohnung werfen.

Sie haben Schulden, Inna.

Enorme Schulden bei ernsten Leuten.

Grischa hat mit Kryptowährungen Schiffbruch erlitten, und Stas hat ohne Versicherung ein fremdes Auto zu Schrott gefahren.

Sie brauchen dringend Geld.

Deine Wohnung ist ihre einzige Chance, nicht in eine… sehr schlimme Situation zu geraten.

— Sie werden nicht aufhören, — meldete sich Mischka zu Wort.

Unter seinem T-Shirt wölbten sich die Bizeps wie Stahlseile.

— In, die Jungs haben mir gesagt, dein Männe hat nach Kontakten zu „schwarzen Maklern“ gesucht.

Er hat gefragt, wie man einen Deal ohne Anwesenheit des Eigentümers durchziehen oder ihn für unzurechnungsfähig erklären kann.

Inna spürte, wie ihr ein kalter Schauer über den Rücken lief.

Das war nicht bloß Dreistigkeit.

Das war Krieg.

— Aber wie?

Ich bin doch gesund.

— Sie wollen dich provozieren, — sagte ihre Mutter und drückte die Tasse fester.

— Dich in einen Skandal treiben, es aufnehmen, den psychiatrischen Notdienst rufen.

Oleg Petrowitsch kann das, so hat er in den Neunzigern seinen Geschäftspartnern die Firmen abgepresst.

— Also denken sie, ich sei ein Opfer, — Inna grinste.

— Inna, vielleicht solltest du bei uns wohnen? — schlug die Schwiegermutter vor.

— Oleg ist ein schrecklicher Mensch, wenn ihn die Gläubiger bedrängen.

— Nein, — Inna stand auf.

— Ich werde nicht weglaufen.

Das ist mein Zuhause.

— Ich fahre mit dir, — Mischka löste sich vom Türrahmen.

— Nicht nötig, Misch.

Ich schaffe das allein.

— Bist du sicher?

Es sind drei.

— Ich komme zurecht.

Sie brauchen nicht nur Geld.

Sie müssen mich brechen.

Wenn du dich einmischst, sagen sie, ich hätte einen Liebhaber-Banditen mitgebracht.

Ich löse das auf meine Weise.

**Teil 4. Besetzung des Territoriums**

Inna trat an ihre Tür und sah, dass der Schließzylinder seltsam aussah.

Neu, glänzend.

Ihr Schlüssel passte nicht.

Von innen drangen Musik und lautes Gelächter.

Sie klingelte.

Stille.

Die Musik verstummte, schlurfende Schritte waren zu hören.

— Wer ist da? — Grigorijs Stimme klang betrunken und fröhlich.

— Mach auf.

— Oh, die Ehefrau ist zurück!

Wir feiern hier gerade einen Männerabend.

Tut mir leid, wir haben die Schlösser gewechselt.

Sicherheit, du verstehst schon.

Fahr zu deiner Mutter, wir bereiten hier die Unterlagen vor, morgen unterschreibst du — dann lassen wir dich an deine Sachen.

— Mach auf, Grischa, oder ich reiße diese Tür samt Rahmen heraus.

Hinter der Tür brach Gelächter aus.

— Habt ihr das gehört?

Rambo im Rock! — das war die Stimme des Schwiegervaters.

— Lass sie ruhig stehen, soll sie mal frische Luft schnappen.

Inna schrie nicht und trat auch nicht mit den Füßen gegen die Tür.

Sie zog aus ihrer Tasche ihr Arbeitswerkzeug — einen schweren, massiven Spitzhammer, mit dem sie Schlacke abschlug.

Aber die Tür war aus Eisen.

Sie ging zum Sicherungskasten auf dem Flur.

Klick.

Das Licht in der Wohnung ging aus.

Die Musik brach ab.

— He! — brüllten sie drinnen.

Inna wusste, dass die Nachbarin einen Ersatzschlüssel für den Vorraum hatte und dass der Balkon ihrer Küche an den Gemeinschaftsbalkon des Treppenhauses grenzte — und dort war nie abgeschlossen.

Sie war keine Bergsteigerin, aber die Jahre der Arbeit auf Gerüsten hatten sie gelehrt, keine Angst vor Höhe zu haben.

Fünf Minuten später stand sie auf ihrem Balkon.

Die Tür war angelehnt — die „Besatzer“ hatten geraucht.

Sie trat in die dunkle Küche.

Im Wohnzimmer brannten Kerzen — pathetisch, ganz im Stil von Grischa.

Auf dem Tisch standen Whiskyflaschen, Papiere lagen verstreut herum.

Oleg Petrowitsch saß in ihrem Lieblingssessel und hatte die Beine auf den Couchtisch gelegt.

Stas wühlte in der Kommode.

Grigorij schenkte gerade Alkohol ein.

— Na, habt ihr das Versteck gefunden? — fragte Inna laut.

Die drei sprangen zusammen.

— Wie bist du hier hereingekommen? — Grigorij ließ die Flasche fallen.

— Hexe!

— Das ist meine Wohnung.

Ich kenne hier jeden Spalt.

Und jetzt hört mir gut zu.

Ihr habt zwei Minuten, um zu verschwinden.

— Na sieh mal einer an, die Kommandantin! — brüllte Oleg Petrowitsch, während er sich schwerfällig erhob.

— Sei still!

Wir sind hier die Herren.

Du unterschreibst jetzt sofort die Schenkungsurkunde, oder…

Er ging auf sie zu, riesig, über ihr aufragend, gewohnt, mit seiner Masse zu drücken.

— Oder was? — Inna wich nicht zurück.

— Oder ich bringe dir Vernunft bei.

Wie ein richtiger Vater.

Stas kicherte schäbig und trat von der anderen Seite näher.

Sie erwarteten Tränen, Hysterie, Bitten.

Sie warteten auf ein Opfer.

**Teil 5. Der Zorn der Glasmeisterin**

Die Welt verengte sich zu einem roten Schleier.

Sie erinnerte sich an die Worte ihrer Mutter über „Unzurechnungsfähigkeit“.

Sie erinnerte sich an die Demütigungen im Restaurant.

Sie erinnerte sich daran, wie Grischa jahrelang auf ihre Kosten gelebt hatte und das „Selbstfindung“ nannte.

Sie machte einen Schritt auf ihren Schwiegervater zu.

Scharf, schnell, wie ein angreifendes Tier.

— Du bringst mir Vernunft bei? — Ihre Stimme brach nicht.

Oleg Petrowitsch holte träge und selbstsicher zu einer Ohrfeige aus.

Inna fing seine Hand im Flug ab.

Sie hatte schon Glasfensterteile von vierzig Kilo Gewicht in der Luft halten müssen.

Ihr Griff war aus Eisen.

Der Schwiegervater heulte vor Schmerz — seine Finger knackten in ihrem Schraubstockgriff.

— Lass los, du Idiotin!

Statt einer Antwort zog Inna ihn zu sich heran und stieß ihn mit aller Kraft gegen die Brust.

Die schwere Masse taumelte, verhedderte sich im Teppich und krachte auf den Couchtisch, der in Splitter zerbrach.

— Papa! — quietschte Grigorij auf.

Er stürzte sich auf seine Frau und wollte sie an den Haaren packen.

Inna drehte sich auf den Fersen um.

Die Wut gab ihr nicht nur Kraft, sondern auch eine tierische Reaktion.

Sie packte ihren Mann an den Aufschlägen seines modischen Sakkos.

Der Stoff riss.

— Du! — Sie schüttelte ihn so heftig, dass seine Zähne klapperten.

— Du Nichts, das auf meine Kosten lebt!

Raus!

Grigorij versuchte, sie mit dem Knie zu treffen, aber Inna, die keinen Schmerz spürte, schleuderte ihn einfach in Richtung Ausgang.

Sie schleuderte ihn buchstäblich wie einen Müllsack.

Er flog quer durch das halbe Zimmer, riss eine Stehlampe um und prallte gegen die Wand.

Stas, der das beobachtete, wurde blass.

In seinen Augen spiegelte sich wilder Schrecken.

Vor ihm stand keine Frau, sondern ein Tier.

Zerzaustes Haar, brennende Augen, zu Fäusten geballte Hände, die imstande waren, Metall zu verbiegen.

— Du bist als Nächster dran, — knurrte Inna und machte einen Schritt auf ihn zu.

— Ich… ich habe nichts… wir gehen ja schon! — blökte Stas.

— Stehenbleiben! — brüllte sie.

Sie ging zu dem am Boden liegenden Schwiegervater, der sich ächzend aufrichten wollte und sich den Rücken hielt.

Sie packte ihn am Kragen seines teuren Hemdes und riss ihn hoch auf die Knie.

— Hört mir zu, ihr Ratten, — sie sprach leise, aber bei dieser Stimme gefror den Männern das Blut in den Adern.

— Wenn ich noch einmal einen von euch in der Nähe meines Hauses sehe, werde ich nicht die Polizei rufen.

Ich werde euch vernichten.

Ich werde euch auseinandernehmen wie einen alten Mechanismus und auf den Müll werfen.

Habt ihr das verstanden?

— V-verstanden, — krächzte Oleg Petrowitsch.

Seine ganze Überheblichkeit war verflogen und hatte nur ein zitterndes Gelee aus Angst zurückgelassen.

— Raus!

Sie packte Grigorij im Nacken und zog ihn buchstäblich in den Flur.

Er versuchte sich zu sträuben, klammerte sich an den Türrahmen und riss dabei die Tapete herunter.

— Machen wir es doch einfacher: Du fliegst aus meiner Wohnung wie ein Korken aus der Flasche, — riet Inna ihrem Mann.

— Und vergisst den Weg hierher.

Sie trat gegen die Tür und riss sie weit auf.

Grigorij flog auf den Treppenabsatz hinaus und schrammte mit dem Gesicht über den Beton.

Sein Schuh flog hinterher.

Stas, den humpelnden Vater unter dem Arm stützend, trippelte zum Ausgang und drückte sich an die Wand, um nicht unter die heiße Hand zu geraten.

— Grischa, steh auf, wir gehen, sie ist irre! — kreischte Stas.

Inna stand schwer atmend auf der Schwelle.

Ihre Bluse war an der Schulter zerrissen, auf ihren Fingerknöcheln war die Haut aufgeschlagen.

Sie sah auf die drei Männer, die sich noch gestern für die Herren des Lebens gehalten hatten.

Jetzt erinnerten sie an verprügelte Hofhunde.

Grigorij, mit aufgeplatzter Lippe und zerrissenem Sakko, sah von unten zu ihr hinauf mit einem Ausdruck unbeschreiblichen Entsetzens.

Er konnte nicht begreifen, dass diese „stille Maus“ gerade drei Männer körperlich auseinandergeworfen hatte.

— Die Schlüssel, — verlangte Inna.

Mit zitternden Händen kramte Grigorij einen Schlüsselbund aus der Tasche und warf ihn auf den Boden.

— Lauft, — sagte sie.

— Solange ich es mir nicht anders überlege.

Und sie liefen.

Hastig, sich gegenseitig stoßend, auf den Stufen stolpernd, Flüche ausstoßend, aber ohne sich umzudrehen.

Inna schlug die Tür zu.

Das Schloss klickte.

Dann setzte sie sich auf den Boden, direkt auf die Splitter des zerbrochenen Tisches.

Die Stille in der Wohnung klang fast schrill.

Aber es war ihre Stille.

Ihre Festung hatte standgehalten.

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