Die Fortsetzung der Geschichte

LEBENSGESCHICHTEN

– Bring ihn sofort hier weg – sagte sie leise. – Ich bin allergisch gegen ihn, Tamás. Oder hast du das vergessen?

– Übertreib nicht. Wir lüften einfach – winkte er ab und schob den Tisch weiter hin und her. – Übrigens dachte ich, man könnte deine Sachen in Kisten packen und auf den Balkon stellen. Marika wird Platz für ihre Kleidung brauchen, sie kommen für drei Monate. Du bist ja sowieso zu Hause – wozu brauchst du den Schrank?

Annamária starrte auf den weißen Kratzer im Laminatboden – die Spur eines Möbelbeins. Fast körperlich spürte sie, wie ihr eigener Raum um sie herum verschwand. Alles knarrte, als würde auch die Welt in Stücke zerbrechen.

– Deine Sachen bleiben dort, wo sie waren – sagte sie eisig. – Wenn deine teure Marika keinen Platz hat, um ihre Kleidung aufzuhängen, soll sie eben ein Loch in die Wand bohren oder eine Wäscheleine spannen.

Tamás schnaubte, schwieg aber. Stattdessen begann er, die Einkaufstüten auszupacken.

In der Küche stapelten sich die billigen Lebensmittel wie in einem Hilfslager.

– Na, bitte! – sagte er stolz und zog Nudeln und Kartoffeln hervor. – Damit du dich nicht beschwerst. Das reicht für einen Monat. Suppe, Nudeln – billig und sättigend. Den Kindern ist es egal, Hauptsache, es ist warm.

Annamária nahm das Paket mit dem knochigen Huhn in die Hand und sah es an.

– Damit willst du sie füttern? Im Ernst? – fragte sie ruhig.

– Natürlich! Wir sind doch keine feinen Leute! Die Menschen leben von Buchweizen! – fuhr er sie an.

Sie sagte nichts.

Tamás räumte weiter ein, schob ihr schönes Teeglas zur Seite und stellte stattdessen Margarine und Salz an seinen Platz. Jede seiner Bewegungen fühlte sich wie ein Einbruch an.

– Also hör zu – sagte er und baute sich vor ihr auf. – Zum Frühstück gibt es um neun Uhr Brei. Mittagessen – Suppe um zwei. Abendessen – Nudeln. Du bist ohnehin zu Hause, für dich ist es leichter. Nebenbei schälst du die Kartoffeln und setzt den Topf auf. Marika soll sich ausruhen, die Reise war lang.

Sie stand reglos da und begriff plötzlich, dass sie keine Angst mehr empfand, sondern eisige Gleichgültigkeit. In ihrem Inneren war alles zu Stein geworden.

– Ich werde nicht kochen, Tamás – sagte sie mit ruhiger Stimme. – Gestern habe ich es dir bereits gesagt, heute wiederhole ich es nur. Wenn du den Gastgeber spielen willst, dann tu das, aber ich werde nicht die Köchin sein.

– Das werden wir ja sehen – erwiderte er spöttisch. – Wenn die Kinder dich ansehen, wirst du schon von selbst losrennen. Du hast doch ein Gewissen, oder nicht?

Er ging hinaus.

Aus dem Badezimmer rief er laut:

– Wo sind die alten Handtücher? Die, mit denen wir den Boden wischen? Die reichen den Kindern für den Strand!

Annamária trat ans Fenster. Von unten drangen das Lachen von Touristen und der Duft von gebratenem Mais herauf, die Sonne brannte auf den Asphalt. Sie hatte das Gefühl, verschwinden zu wollen, aus diesem Schauspiel auszusteigen.

Es blieben nur noch wenige Stunden, bis die Familie ankam.


Als Károly, Marika und die Kinder hereinstürmten, füllte sich die Wohnung sofort mit Lärm, dem Geruch der Reise und dem Geschrei der Kinder.

Der Älteste stieß sofort eine Vase um, das mittlere Kind kletterte mit Schuhen auf das Sofa, und das jüngste zog am Kabel des Druckers.

– Wie wunderschön! – rief Marika und begann schon in der Tür, sich auszuziehen. – Wie gut ihr lebt, Ancsa! Das Meer ist gleich hier, die Luft ist salzig … Tamás, bring die Koffer hoch!

Tamás strahlte.

Er stand mitten im Zimmer und verteilte Anweisungen wie der Besitzer eines Ferienhauses. Annamária wurde unsichtbar.

Ihre Wohnung verwandelte sich in einen Bienenstock.

Innerhalb von drei Tagen war der Kühlschrank leer. Marika „half“ schon längst nicht mehr, die Kinder veranstalteten Schlachten im Flur, und Tamás kochte pfeifend vor sich hin.

Annamária arbeitete nachts, weil man tagsüber die eigenen Gedanken nicht mehr hören konnte. Das Gehäuse ihres Laptops war von einer fettigen Dunstschicht überzogen, die Tastatur voller Staub.

Nach einer Woche begriff sie: Entweder würde sie diesen Sommer gehen, oder sie würde den Verstand verlieren.

Eines Nachts, als alle schliefen, sammelte sie ihre Dokumente, den Laptop und eine Tasche mit Kleidung zusammen. Auf Zehenspitzen ging sie zur Tür.

Im Flur lag noch immer die alte, verschimmelte Matratze.

Dahinter schnarchte Tamás leise.

Sie blieb stehen.

Nur ein Augenblick – und in ihrem Herzen blieb nichts außer Erleichterung zurück. Keine Tränen, kein Bedauern.

Im Morgengrauen saß sie bereits im Zug, der sich immer weiter von der Stadt entfernte.

Das Telefon klingelte immer wieder – Tamás rief an.

Sie schaltete es stumm.

Im Spiegelbild des Fensters erschien ihr Lächeln – still und echt.

Vor ihr lag nicht ein höllischer Sommer, sondern der Beginn der Freiheit.

Zu Hause in der Wohnung wachte Tamás auf, ging in die Küche und fand weder Kaffee noch seine Frau vor.

Nur die staubige Spur eines Stuhls blieb auf dem Boden zurück – eine Erinnerung daran, wer die wahre Herrin des Hauses gewesen war, bis zu dem Moment, als sie beschloss, etwas zu ändern.

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